Kurz gesagt: Reformer und Matte folgen denselben Pilates-Prinzipien – Kontrolle, Atmung, Zentrierung. Der Unterschied liegt im Widerstand. Auf der Matte arbeitest du mit deinem eigenen Körpergewicht, auf dem Reformer mit Federn, die du stärker oder schwächer einstellen kannst. Dadurch lassen sich Übungen auf dem Reformer feiner dosieren: Sie können unterstützen, wenn dir die Kraft noch fehlt, oder zusätzlich fordern, wenn du mehr willst. Mat Pilates verlangt dagegen, dass du deinen Körper ohne Hilfe stabilisierst, was gerade für Kontrolle und Körpergefühl anspruchsvoll ist. Keine der beiden Formen ist grundsätzlich besser. Welche besser zu dir passt, hängt davon ab, was du suchst.
Gleiche Wurzeln, unterschiedliche Werkzeuge
Joseph Pilates entwickelte seine Methode Anfang des 20. Jahrhunderts. Neben den Übungen auf dem Boden konstruierte er Geräte, die mit Federn arbeiten – der Reformer ist das bekannteste davon. Beide Formen gehören also von Anfang an zusammen.
Die Grundidee ist in beiden Fällen dieselbe: Bewegungen bewusst und kontrolliert ausführen, die Atmung einsetzen und die Körpermitte als stabile Basis nutzen.
Was macht den Reformer anders?
Der Reformer besteht aus einem Schlitten, der auf Schienen gleitet, und Federn, die den Widerstand bestimmen. Das hat zwei Folgen:
- Anpassbarer Widerstand: Über die Federn lässt sich eine Übung leichter oder schwerer machen, ohne dass sich der Bewegungsablauf ändert.
- Mehr Varianten: Schlaufen, Fußstange und Schlitten ermöglichen Übungen im Liegen, Sitzen, Knien und Stehen, die auf der Matte so nicht möglich sind.
Eine Studie von 2025 hat Reformer und Matte bei Amateurfußballern über acht Wochen verglichen. Beide Gruppen verbesserten sich; die Reformer-Gruppe schnitt bei einigen Tests wie Beweglichkeit und Sprungfähigkeit besser ab. Die Gruppen waren mit je zehn Personen allerdings klein und bestanden aus jungen Sportlern – die Ergebnisse lassen sich also nicht einfach auf alle übertragen.
Was macht die Matte besonders?
Auf der Matte fehlt die Unterstützung durch Federn. Du musst jede Position selbst halten und stabilisieren. Das macht manche Übungen, die auf dem Reformer leicht wirken, auf dem Boden überraschend fordernd.
Dazu kommt: Mat Pilates ist leicht zugänglich. Du brauchst kein Gerät, und viele Übungen lassen sich auch zu Hause wiederholen. Das macht die Matte zu einer guten Ergänzung, um zwischen den Studioterminen dranzubleiben.
Was sagt die Forschung insgesamt?
Eine Übersichtsarbeit von 2022 kam zu dem Schluss, dass Pilates die Kraft deutlich steigern kann – ungefähr so stark wie andere Trainingsformen, aber nicht stärker. Die Beweislage ist dabei eher schwach. Direkte Vergleiche zwischen Reformer und Matte gibt es bisher nur wenige, meist mit kleinen Gruppen.
Für die Praxis heißt das: Wichtiger als die Frage „Reformer oder Matte“ ist, dass du regelmäßig trainierst. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Für wen eignet sich was?
Bei uns im Studio sehen wir, dass viele über den Reformer einsteigen, weil die Federn am Anfang Halt geben. Andere kommen gezielt auf die Matte, weil sie die klassische Form mögen oder Pilates erst einmal ohne Gerät ausprobieren wollen.
- Reformer passt gut, wenn du Übungen fein dosieren möchtest, Abwechslung suchst oder gezielt Kraft aufbauen willst.
- Matte passt gut, wenn du an Kontrolle und Körpergefühl ohne Hilfsmittel arbeiten möchtest oder etwas suchst, das du auch zu Hause fortsetzen kannst.
- Beides ergänzt sich: Was du auf der Matte an Stabilität lernst, hilft dir auf dem Reformer – und umgekehrt.
Wie fühlt sich eine Stunde jeweils an?
Auf der Matte arbeitest du viel in Rückenlage, im Vierfüßlerstand und in Seitlage. Die Übungen wirken oft unscheinbar, fordern aber deine Körpermitte durchgehend – ohne Gerät gibt es nichts, das dich stützt oder dir Schwung abnimmt. Viele merken dabei zum ersten Mal, wie viel Kontrolle schon in einer langsamen Bewegung steckt.
Auf dem Reformer ist mehr Bewegung im Spiel: Der Schlitten gleitet, die Federn ziehen zurück, und du arbeitest gegen diesen Widerstand – mal kraftvoll, mal fein dosiert. Durch die Führung des Geräts fällt es vielen leichter, eine Übung sauber auszuführen. Gleichzeitig spürst du sofort, wenn du die Spannung verlierst, weil der Schlitten dann unruhig wird.
Beides ist anstrengender, als es von außen aussieht. Wie intensiv es für dich wird, hängt weniger vom Format ab als davon, wie die Stunde aufgebaut ist und welche Federn oder Varianten du wählst.
Fazit
Reformer und Matte sind zwei Wege zu denselben Grundprinzipien. Der Reformer bietet mehr Möglichkeiten, den Widerstand anzupassen, die Matte fordert mehr Eigenstabilität. Wenn du unsicher bist, probier beides aus und achte darauf, was dir mehr Freude macht – denn das ist es, was dich am Ende dranbleiben lässt.
Neugierig geworden? Starte mit dem Core Starter auf dem Reformer oder mit dem Mat Starter auf der Matte.
Quellen
- Yılmaz, Kaplan & Batalik (2025): Randomised controlled study on the effects of pilates exercises in soccer: Comparing mat and reformer methods on physical and technical performance. PLOS One.
- Pinto, H. et al. (2022): Is pilates better than other exercises at increasing muscle strength? A systematic review. Heliyon.
- Weltgesundheitsorganisation (2020): WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour.